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Clyde
geboren 5/1994
Diabetiker seit 8/2001
gestorben 6/2010
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Von der Bedeutung der Ursachenforschung bei Katzendiabetes
Forum
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Helga, Bonnie und Clyde



Moderator
27228 Beiträge

Von der Bedeutung der Ursachenforschung bei Katzendiabetes, 20.08.2008 17:05


Wenn ein Tier Diabetes bekommt, hat das immer einen Grund. Kein Diabetes der Welt "fällt vom Himmel".

Leider erleben wir hier nur selten, dass TÄ gezielt Ursachenforschung betreiben. Man bekommt die Diagnose (hoffentlich mit Fructosaminwert!) , das Fläschchen Insulin, die Spritzen (wenn man Glück hat, sogar U- 40er), und meistens noch eine Palette Nassfutter oder eher einen Beutel Trockenfutter. Dann wird noch eine Dosierung genannt und in vielen Fällen war‘s das dann leider. Ab und zu wird später in der Praxis gemessen, meistens wird das Insulin erhöht. Aber die Ursachen bleiben unangetastet. Und das ist nicht richtig.

Einige Beispiele:

1. Übergewicht und falsche Ernährung

Wie beim Menschen ist auch bei der Katze oft Übergewicht inklusive mangelnder Bewegung die Ursache für einen Diabetes. Dazu kommt oft falsche Ernährung mit viel zu vielen Kohlenhydraten. Dem ist die Bauchspeicheldrüse der Katze, die von Natur aus ein Fleischfresser (Carnivore) ist, nicht gewachsen.

Das Übergewicht muss langsam reduziert werden, 1-2 % des Körpergewichts darf eine Katze pro Woche abnehmen, nicht mehr, sonst kann es gravierende Leberprobleme geben (hepatische Lipidose). Das Futter sollte möglichst ein Nassfutter sein (Trockenfutter aller Art enthalten zu viele Kohlenhydrate). Es sollte proteinreich sein, moderat Fett enthalten und so wenig Kohlenhydrate wie möglich (ja mäuseähnlicher, desto besser)

2. Schilddrüsenüberfunktion

Nach einer Diabetesdiagnose sollte der Schilddrüsenwert kontrolliert werden, ob er gut in der Norm liegt. Ist der T 4 -Wert grenzwertig oder über die Norm, muss weitere Schilddrüsendiagnostik betrieben werden. Die Schilddrüse ist der Ansatzpunkt der Behandlung, erst dann kann man den Diabetes einstellen.

3. Cortison oder Progestagen

Manche Tiere bekommen wegen Hautproblemen, Verdauungsproblemen, Asthma oder chronischen Zahnfleischentzündungen Cortison oder Megestrolacetatt. Das sind Medikamente, die einen Diabetes entstehen lassen können. Das muss nicht vorkommen, aber es ist möglich. Wenn solche Tiere Diabetes bekommen, sollte der TA nach Alternativen suchen, diese Medikamente zu ersetzen oder zumindestens sehr vorsichtig mit der Dosierung werden. In manchen Fällen ist Cortison unvermeidbar, das sei hier gleich gesagt. Aber der Griff zum Wundermittel Cortison erfolgt leider oft viel zu schnell.

4. Harnwegsinfekte

Zur gesicherten Diabetesdiagnose gehört die Untersuchung des Urins auf einen HWI (Harnwegsinfekt) Am besten wird der Urin steril untersucht und auch das Sediment mitbestimmt (Harnstatus, evtl. mit Antibiogramm) Liegt ein Infekt vor (kommt häufig vor bei Zuckerkatzen wegen des süßen Urins), muss dieser behandelt werden und zwar lange genug, wenige Tage reichen nicht, besser sind 2 Wochen, oft sogar noch länger. Denn solange das Tier diesen HWI hat( der übrigens total symptomlos verlaufen kann), spritzt man gegen die dauerhafte Entzündung an und es kommt keine Ruhe in die Einstellung.

5. Kranke Zähne und Zahnfleischentzündungen

Viele Katzen, sogar schon recht junge, haben Probleme mit Zähnen oder Zahnfleisch.
Kranke, oft vereiterte Zähne heilt man nicht durch Insulin, sie müssen gezogen werden. Gegen entzündetes Zahnfleisch hilft oft ein Antibiotikum. Unter entzündetem Zahnfleisch verbergen sich oft sehr kranke Zähne.

6. Exokrine Pankreasinsuffizienz

Manche Zuckerkatzen haben eine auffällige Verdauung, der Kot ist breiig, es besteht eine Neigung zu Durchfall, die Kotfarbe ist nicht dunkel, sonder eher hell. In solchen Fällen liegt der Verdacht auf eine Exokrine Pankreasinsuffizienz (EPI) nah, dieses Tier braucht vermutlich nicht nur Insulin, sondern auch Enzyme, damit die Nahrung verdaut werden kann.

7. Pankreatitis

Manche Katzen bekommen ihren Diabetes durch eine akute oder chronische Pankreatitis. Die ist schwer zu diagnostizieren und schwer zu behandeln, taucht oft in Schüben auf. Man muss wissen, dass gute und schlechte Zeiten wechseln können und sich auf schwankende Blutzuckerwerte einstellen.

Ultraschall

Zur Erstdiagnose gehört eigentlich auch ein Ultraschall der Organe. Einem geschulten TA werden auch hier Veränderungen auffallen, z.B. Vergrößerungen der Organe, Schatten, die nicht dorthin hingehören...


Fazit: Insulin allein tut es oft nicht !


Man kann jeden hohen Zuckerwert vorübergehend mit viel Insulin runterspritzen. Das ist keine Kunst. Es ist aber keine richtige Einstellung. Die bekommt man erst hin, wenn nach allen möglichen Ursachen gesucht wurde und eine Behandlung erfolgt. Insulin senkt nur Zuckerwerte, heilt aber nicht die Ursache für die hohen Werte.

Wenn es dem TA gelingt, die Ursache zu finden und zu beheben, dann ist der Diabetes bei Katzen oft reversibel (Remission, Honeymoon) Das Tier bleibt zwar latent Diabetiker und muss weiter beobachtet werden, aber das Insulinspritzen entfällt, oft sogar über einen langen Zeitraum.

Bittet euren TA also nach erfolgter Diabetesdiagnose, Ursachenforschung zu betreiben. Es lohnt sich!

www.mediadesk.uzh.ch/assets/downloads/TextReusch.pdf



Geändert von Helga, Bonnie und Clyde am 3.Feb.2011 22:04
 
 
     
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